{"id":1092,"date":"2022-12-09T11:18:08","date_gmt":"2022-12-09T10:18:08","guid":{"rendered":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/?page_id=1092"},"modified":"2022-12-09T11:28:29","modified_gmt":"2022-12-09T10:28:29","slug":"rede_bertheau-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/?page_id=1092","title":{"rendered":"Reden von Inken Hose und Dr. Martin Richter"},"content":{"rendered":"<h1>Rede von Inken Hose (Johanneum) anl\u00e4sslich 30 Jahre R\u00f6mer<\/h1>\n<p>Liebe Frau Ehrlenspiel, liebe Frau Lund und liebe ehemalige Sprecherinnen und Sprecher der R\u00f6mer,<br \/>\nliebe Frau Nesemeyer, lieber Herr Flesch, Herr Prigge und Herr Dr. Richter,<br \/>\nlieber Herr Dr. Hildebrandt und Herr Dr. Marx,<br \/>\nliebe Eltern und Kolleginnen und Kollegen aus den Schulen,<br \/>\nkurz zusammengefasst: Liebe R\u00f6mer!<\/p>\n<p>Das Wilhelm-Gymnasium richtet heute Abend das R\u00f6mer-Jubil\u00e4um aus \u2013 herzlichen Dank daf\u00fcr! \u2013, aber ich freue mich, als Hausherrin des Festortes ebenfalls einige Worte der Begr\u00fc\u00dfung an Sie richten zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Vor 30 Jahren hat sich eine Gruppe von R\u00f6merinnen und R\u00f6mern auf den Weg gemacht, um hier im Norden den Hamburgerinnen und Hamburgern wieder ins Bewusstsein zu rufen, welch besonders wertvolles Bildungsangebot die humanistischen Gymnasien unserer Stadt \u2013 damals waren es sieben, jetzt sind es immerhin noch f\u00fcnf \u2013 zu bieten haben, f\u00fcr den Erhalt dieses Bildungsangebots einzutreten und Kinder und ihre Eltern davon zu \u00fcberzeugen, dass es sich f\u00fcr junge Menschen mehr denn je lohnt, sich intensiv mit den alten Sprachen und der griechisch-r\u00f6mischen Antike zu befassen. Denn wohl in keinem anderen Fach steht der Mensch mit nahezu allem, was ihn in seinem Menschsein ausmacht \u2013 und zwar bezogen auf das Individuum, als soziales Wesen und Teil des Kosmos \u2013, in jeder Stunde so im Zentrum wie in Griechisch und Latein. Das ist im besten Sinne pers\u00f6nlichkeitsbildend und Halt gebend.<\/p>\n<p>30 Jahre sp\u00e4ter stellen wir fest: Das, wof\u00fcr die R\u00f6mer seinerzeit angetreten sind, ist gegl\u00fcckt, denn unsere f\u00fcnf Schulen florieren und k\u00f6nnen sich jedes Jahr \u00fcber gute Anmeldezahlen freuen und auch der Senator l\u00e4sst es sich seit 2015 nicht nehmen, zu unseren R\u00f6mertagen zu kommen. Erst letzten Freitag war er trotz wichtiger paralleler Termine beim Festakt anl\u00e4sslich des 150. Geburtstagess des Matthias-Claudius-Gymnasiums.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich war diese positive Entwicklung allerdings nicht; denn immer wieder haben die Bildungspolitiker Ver\u00e4nderungen eingef\u00fchrt oder vorgeschlagen, die dem humanistischen Gymnasium mit seinem grundst\u00e4ndigen Latein h\u00e4tten gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnen, allen voran die Einf\u00fchrung von Englisch in der Grundschule zu Beginn der 90er Jahre, die Latein an unseren Schulen \u00fcber Nacht zur zweiten Fremdsprache machte mit Folgen f\u00fcr die Stundentafel und die Versetzungsregelung \u2013 \u00fcbrigens der Anlass f\u00fcr die Gr\u00fcndung der Arbeitsgemeinschaft \u2013 und der Versuch, die sechsj\u00e4hrige Primarschule in Hamburg wiedereinzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Neben der Wandlungsf\u00e4higkeit unserer Schulen haben die R\u00f6mer an diesem Erfolg einen entscheidenden Anteil: Zum einen, weil die in dem Arbeitskreis organisierten Eltern nicht als \u00dcberzeugende, sondern als \u00dcberzeugte agieren, weil sie gut untereinander und in alle gesellschaftlichen Bereiche hinein vernetzt sind und Unterst\u00fctzer zu gewinnen wussten und wissen. Zum anderen aber auch, weil die R\u00f6mer barfu\u00df unterwegs sind: Statt mit Gebr\u00fcll und Geschrei \u00fcberzeugen sie mit fr\u00f6hlichen und lebendigen R\u00f6mertagen, getragen und gestaltet von der gesamten Schulgemeinschaft unserer Schulen, und bei Vortr\u00e4gen mit schlagkr\u00e4ftigen Argumenten aus prominenten Munde. Und schlie\u00dflich haben die R\u00f6mer f\u00fcr Freundschaften gesorgt \u2013 f\u00fcr pers\u00f6nliche und die Freundschaft zwischen den Schulen: Wenn es um das Eintreten f\u00fcr die humanistische Bildung geht, dividiert uns niemand auseinander. Die Bilder in der Pr\u00e4sentation, die w\u00e4hrend des Empfangs hier in der Aula in einer Endlosschleife laufen, legen von diesem Engagement ein beredtes Zeugnis ab.<\/p>\n<p>In diesem Sinne: Seien Sie willkommen, liebe Freunde, und lassen Sie uns heute t\u00fcchtig feiern!<\/p>\n<h1>Rede von Dr. Martin Richter (Wilhelm Gymnasium) anl\u00e4sslich 30 Jahre R\u00f6mer<\/h1>\n<p>Liebe Inken, liebe G\u00e4ste,<\/p>\n<p>wie sehen wohl die n\u00e4chsten 30 Jahre der \u201eR\u00f6mer-AG\u201c aus? \u2013 Wir leben in turbulenten Zeiten. Vor 30 Jahren gab es noch keine Mobiltelefone geschweige denn smarte Hosentaschencomputer. Wie mag unsere Alltagswelt in 30 Jahren aussehen? Das wissen wir nicht!<\/p>\n<p>Welche Herausforderungen stellen sich nun f\u00fcr eine R\u00f6mer-AG?<\/p>\n<p>Es gilt, immer wieder auf die einmaligen St\u00e4rken der Vermittlung der alten Sprachen und der antiken Kultur im Rahmen der allgemeinen Bildung hinzuweisen. Da wir hier quasi alle Insider sind, f\u00fchre ich genau diesen Punkt nicht aus. Nur das eine: Zweifler an unserer eigenen Sache lade ich immer gerne zum Gespr\u00e4ch ein. Denn wer nicht mehr wei\u00df, warum es sinnvoll ist, Pubertierende mit den nd-Formen zu konfrontieren, kann diese Aufgabe auch nicht mehr gut erf\u00fcllen. Wir m\u00fcssen uns immer wieder auf die Sinnhaftigkeit unseres Gesch\u00e4fts besinnen.<\/p>\n<p>Doch jetzt konkret zur R\u00f6mer-AG in der Zukunft \u2013 3 Szenarien<\/p>\n<p>1. Szenario &#8211; Worst Case:<br \/>\nDer gesellschaftliche Druck zur \u00d6konomisierung, Rationalisierung und leicht messbaren Output-Orientierung erobert die Bildungspolitik. Aus allgemeiner Bildung wird allgemeine Ausbildung. Die Alten Sprachen verschwinden in einer minimalen Nische.<br \/>\nDANN m\u00fcssen SIE aufstehen und f\u00fcr unseren Bildungsansatz k\u00e4mpfen. Jedes Wort, das au\u00dferhalb von Schule f\u00e4llt, ist hier so viel mehr wert als die Verteidigung aus dem eigenen Haus. Uns sagt man sicher gerne: \u201eNa klar. Keiner schafft sich gerne selbst ab.\u201c<\/p>\n<p>2. Szenario &#8211; Wir bleiben eine, wenn auch quantitativ kleine, Bildungsalternative. Johanneum, Christianeum und Wilhelm-Gymnasium werden zusammen stets von mindestens 300 Kindern angew\u00e4hlt.<br \/>\nLeider gilt dann der Satz \u201eStillstand ist R\u00fcckschritt\u201c.<br \/>\nWir werden Sie dann stets als F\u00fcrsprecherinnen und F\u00fcrsprecher ben\u00f6tigen, die uns unterst\u00fctzen, die uns bekannt machen und die unsere Botschaften in die Sprache von Eltern \u00fcbersetzen. Sie werden dann durch R\u00f6mertage oder andere Formate antik inspirierter Aktionen in der \u00d6ffentlichkeit auf uns aufmerksam machen m\u00fcssen. Die gute Arbeit in der Schule ist unsere Aufgabe. Aber wir f\u00fchlen uns im Interesse unserer Glaubw\u00fcrdigkeit zu einer gewissen modestia oder humilitas \u2013 Bescheidenheit oder Demut \u2013 verpflichtet. Wenn wir als Schulen mit Werbespots und Bandenwerbung in Stadien anfingen, w\u00e4re das unser Ende. Darum brauchen wir Sie.<\/p>\n<p>3. Szenario \u2013 In Reaktion auf die Herausforderungen in einer diffusen, globalisierten, pluralistischen Welt suchen mehr und mehr Familien das Schulgl\u00fcck ihrer Kinder in unserer Schulform \u2013 der altsprachlichen Schule. \u201eWirf Deinen Anker im sicheren Hafen der Antike.\u201c<br \/>\nDann sieht die Aufgabe der R\u00f6mer-AG nat\u00fcrlich ganz anders aus: Bitte stellen Sie sich als Ordner bereit f\u00fcr unsere \u00fcberlaufenen Tage der offenen T\u00fcr und Informationsveranstaltungen. Bitte versorgen Sie in der Anmeldewoche im Februar bereits ab 4.00 Uhr in der Fr\u00fche die vor unseren Schulen in langer Schlange mit Klapphockern wartenden Eltern und Kinder mit hei\u00dfem Kakao, Kaffee und ggf. auch Grog. Tr\u00f6sten Sie als \u201epop-up-Seelsorgerinnen\u201c diejenigen, denen der Zugang zu unserer Schulform verwehrt bleibt, weil Herr Rabe das zw\u00f6lfte Altsprachliche Gymnasium noch nicht hat fertigstellen k\u00f6nnen. Bremsen Sie in Ihrem Umfeld den Trend, dass alle neugeborenen T\u00f6chter Flavia und alle S\u00f6hne Quintus genannt werden.<br \/>\nNur in diesem dritten Szenario k\u00f6nnten Sie ihr Engagement in der R\u00f6mer-AG ggf. etwas zur\u00fcckfahren. Wir w\u00e4ren in einer Aurea Aetas, einem goldenen Zeitalter, angekommen und Sie k\u00f6nnten sich entspannt Gen\u00fcssen zuwenden. Z.B. dem Vortrag eines Kenners der Antike: Herr Dr. Hildebrand, Leiter der Antikenabteilung des Museums f\u00fcr Kunst und Gewerbe, spricht heute zu uns unter dem Titel: \u201eAurea Aetas \u2013 Kaiser Augustus und die Bl\u00fcte Roms\u201c.<\/p>\n<p>Herzlichen Dank<br \/>\nMartin Richter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede von Inken Hose (Johanneum) anl\u00e4sslich 30 Jahre R\u00f6mer Liebe Frau Ehrlenspiel, liebe Frau Lund und liebe ehemalige Sprecherinnen und Sprecher der R\u00f6mer, liebe Frau Nesemeyer, lieber Herr Flesch, Herr Prigge und Herr Dr. Richter, lieber Herr Dr. Hildebrandt und Herr Dr. Marx, liebe Eltern und Kolleginnen und Kollegen aus den Schulen, kurz zusammengefasst: Liebe &hellip; <a href=\"https:\/\/roemer.hamburg.de\/?page_id=1092\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Reden von Inken Hose und Dr. Martin Richter<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":739,"featured_media":1089,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-1092","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1092","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/739"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1092"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1092\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1095,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1092\/revisions\/1095"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1089"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1092"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}