{"id":646,"date":"2012-10-31T22:06:48","date_gmt":"2012-10-31T21:06:48","guid":{"rendered":"http:\/\/roemer.hamburg.de\/?p=646"},"modified":"2015-11-06T15:39:53","modified_gmt":"2015-11-06T14:39:53","slug":"prof-dr-hermann-richter-zum-20-jaehrigen-jubilaeum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/?p=646","title":{"rendered":"Prof. Dr. Hermann Richter zum 20 j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um"},"content":{"rendered":"<div class=\"small-content-width\"><strong>C\u00e4sarisches vergessen, Ovidisches nicht \u2013 2042: Die R\u00f6mer sind da!<\/strong><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehr verehrte Frau Hose, sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>wir w\u00fcrden uns nicht einigen k\u00f6nnen \u2013 egal, wie lang der Abend wird \u2013, wenn wir uns \u00fcber Sinn und Unsinn des Erlernens alter Sprachen austauschen wollten \u2013 zumindest, wenn wir die Argumente in eine allgemein anerkannte Reihenfolge bringen wollten. Zu viele Meinungen gibt es dazu und zu viele Begr\u00fcndungen daf\u00fcr. \u201eZweckfrei\u201c sei es, sagen die einen; zahlreiche Gr\u00fcnde f\u00fcr das Erlernen alter Sprachen f\u00fchren die anderen an: von kulturwissenschaftlichen \u00fcber soziologische bis zu handfesten pragmatischen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Mutter einer Mitsch\u00fclerin lie\u00df ihre T\u00f6chter Griechisch lernen, weil sie von Camus und Sartre im Franz\u00f6sisch-Unterricht genug hatte \u2013 und es gibt Manager, die mit Effizienz-Argumenten aufwarten, ja, es l\u00e4sst sich der volkswirtschaftliche Nutzen des Griechischen beschw\u00f6ren. Nur eines steht m. E. fest: Die alten Sprachen sterben nicht aus. Dabei ist genau das in den letzten Jahrzehnten mit gro\u00dfer Regelm\u00e4\u00dfigkeit vorhergesagt worden: das Ende des altsprachlichen Gymnasiums.Dass es dazu nicht gekommen ist, dazu haben die \u201eR\u00f6mer\u201c beigetragen; ein Automatismus war es nicht. Ich will einige der Themen in Erinnerung rufen, mit denen die R\u00f6mer sich in den vergangenen zwanzig Jahren besch\u00e4ftigt haben: die Anforderungen in Graecum und Latinum und die Entwicklung fremdsprachlichen Unterrichts \u00fcberhaupt, auch des Englischen, das von der weiterf\u00fchrenden Schule in die dritte und dann in die erste Klassenstufe vorgezogen wurde, die Ausgestaltung der Profiloberstufe, die Stellung des Lateinunterrichts auch au\u00dferhalb des altsprachlichen Gymnasiums, das Projekt der sechsj\u00e4hrigen Primarschule von Frau G. \u2013 und leider auch ihre K\u00fcndigung der Gastschulabkommen mit den Nachbarl\u00e4ndern. Die Liste lie\u00dfe sich erheblich verl\u00e4ngern; die R\u00f6mer haben dabei C\u00e4sarisches geleistet.\u201eDie R\u00f6mer\u201c, das sind einige wenige Heroen und vor allem zahlreiche Heroinen, denen die Tageszeitung \u201eDie Welt\u201c heute anl\u00e4sslich ihres 20j\u00e4hrigen Bestehens einen langen Artikel widmet. Falls nicht alle von Ihnen sie kennen, m\u00f6chte ich sie Ihnen vorstellen: Frau Bertheau vom Johanneum hat das Amt der Sprecherin \u2013 fast das Ruder eines schulpolitischen Schiffs \u2013 von Frau Dahlke und Frau L\u00fcders vom MCG \u00fcbernommen. Die beiden \u00fcbten ihre Leitung in einer Art Triumvirat mit Frau Sch\u00fctt vom Christianeum aus, die zuvor bereits Sprecherin gewesen war: Erst zusammen mit Frau Weitzel, ebenfalls vom Christianeum, dann zu dritt mit mir (vom Hansa-Gymnasium). Ich denke mit gr\u00f6\u00dfter Freude an die Zeit und die ungez\u00e4hlten E-Mails zur\u00fcck, aufgrund derer ich wieder und wieder allen Grund hatte, die beiden als \u201emeine Musen\u201c anzusehen und anzuschreiben; f\u00fcr mich das reine Vergn\u00fcgen. \u00dcbernommen hatten wir von Frau Vaerst vom Johanneum, die jahrelang die Geschicke der R\u00f6mer geleitet hatte als eine Art Inkarnation der R\u00f6mer \u2013 ich dachte irrt\u00fcmlich, sie sei eine der Gr\u00fcnderinnen. Aber das war falsch berechnet: Sie hatte von Frau Paul vom Wilhelm-Gymnasium und Herrn Dr. Schwandt vom Christianeum \u00fcbernommen \u2013 doch alles zu verdanken haben wir Frau von Vogel vom Christianeum und Frau Pinckernelle vom Johanneum, den tats\u00e4chlichen Gr\u00fcnderinnen des R\u00f6mer-Kreises: Ich bitte daf\u00fcr um Applaus!<\/p>\n<p>Sofern die damaligen Schulleiter dachten, da h\u00e4tten sich ein paar unterbesch\u00e4ftigte M\u00fctter zusammengefunden, dann zeigte sich bald, wie falsch diese Einsch\u00e4tzung war. Denn mit enormer Energie, Phantasie und Ausdauer veranstalteten die R\u00f6mer alle zwei Jahre Hamburgs gr\u00f6\u00dftes Schulfest, den \u201eR\u00f6mertag\u201c, und luden in den Jahren dazwischen zu weiteren Abenden ein, darunter hervorragende Vortr\u00e4ge herausragender Professoren und Minister \u2013 ich nenne nur Prof. Dr. Maier, Minister Dr. Spaenle und Herrn Prof. Dr. Kipf, der auch heute aus Berlin zu uns gekommen ist: herzlichen Dank daf\u00fcr!<\/p>\n<p>Dass die R\u00f6mer es geschafft haben, die Schulleiter ihrer sieben Gymnasien \u2013 Gelehrtenschule des Johanneums, Gymnasium Christianeum, Wilhelm-Gymnasium, Matthias-Claudius-Gymnasium, Sankt-Ansgar-Schule, Friedrich-Ebert-Gymnasium und Hansa-Gymnasium \u2013 mehrfach zusammenzubringen, ist sicherlich eine Rarit\u00e4t; ich vermute, dass es auch in den R\u00e4umen der Schulbeh\u00f6rde selten Gelegenheiten gibt, wo sie alle sich begegnen werden. Zu den Elternr\u00e4ten und Freunden hat sich heute ein Sponsor, nein: ein M\u00e4zen im besten Sinne des Wortes gesellt, die Warburg-Melchior-Olearius-Stiftung aus Hamburg, die altsprachlichen Unterricht in dieser Stadt in gro\u00dfz\u00fcgiger Weise unterst\u00fctzt: auch daf\u00fcr herzlichen Dank!<\/p>\n<p>Wer vor 20 Jahren die Prognose abgegeben h\u00e4tte, dass die R\u00f6mer bis 2012 derartige Erfolge hervorbringen w\u00fcrden, w\u00e4re mit Sicherheit bel\u00e4chelt worden. Die Arbeit war immens \u2013 man kann sich kaum noch vorstellen, wie das damals mit Fax und Kohlepapier-Durchschl\u00e4gen ging \u2013, und die Erfolge waren es erst recht. Und als einziger Grund, warum es jemals einmal keinen R\u00f6mertag mehr geben sollte, l\u00e4sst sich heute eigentlich nur noch denken, dass sich kein Termin mehr f\u00e4nde: Der R\u00f6mertag selbst ist zu einer festen Institution geworden.<\/p>\n<p>Wenn wir also den Blick auf das Jahr 2017 richten, das 25j\u00e4hrige Jubil\u00e4um, oder auf 2042, das 50j\u00e4hrige Jubil\u00e4um, dann l\u00e4sst sich eines sagen: Die \u201eR\u00f6mer\u201c werden da sein. Vielleicht ist das Gymnasium dann eine Ganztagsschule, vielleicht wird es Einheitsschulen geben \u2013 aber die \u201eR\u00f6mer\u201c werden da sein, und zwar weiterhin als eine Minderheit: Anders geht es ja nicht. Sie werden kein CCH f\u00fcllen, sondern eine Elite im besten Sinn des Wortes sein. Sie werden \u00fcber Sinn und Zweck des Erlernens alter Sprachen Ausk\u00fcnfte geben k\u00f6nnen, und sie werden berichten k\u00f6nnen, dass sich die friedliche Koexistenz unterschiedlicher Kulturen \u2013 anders als ein undifferenziertes Multi-Kulti \u2013 durch die Besch\u00e4ftigung mit der griechischen Antike und Kultur bestens f\u00f6rdern, ja, dass sich ein Europa der Zukunft darauf aufbauen l\u00e4sst \u2013 nat\u00fcrlich unbeschadet der Notwendigkeit, die franz\u00f6sische Sprache zu erlernen.<\/p>\n<p>Was werden wir dann tun? Vielleicht genie\u00dfen wir hier oder anderswo die Sprachen des Vatikans, des Neuen oder des Alten Testaments; vielleicht sind wir noch dabei, in einer Art Mischung aus \u201eFeuerzangenbowle\u201c und \u201eClub der toten Dichter\u201c. Vielleicht k\u00e4mpfen wir daf\u00fcr, altsprachliche Ausdr\u00fccke in unserer Sprache zu vermeiden und gef\u00e4lligst ins Deutsche zu \u00fcbertragen, wie es mein erster Griechischlehrer mit Verve tat. Sicherlich wird jeder von uns an seinem Platz weiter daf\u00fcr werben, Bildung nicht in erster Linie als eine Sache des Intellekts anzusehen, sondern als Charakter- und Herzensbildung zu behandeln. C\u00e4sarisches m\u00f6gen wir vergessen haben, Ovidisches hoffentlich nicht. M\u00f6ge dieser Abend dem Austausch gewidmet sein, dem fr\u00f6hlichen Feiern, und dem Dank: Dank f\u00fcr 20 Jahre \u201eR\u00f6mer\u201c, Dank daf\u00fcr, dass wir in kulinarischer Verw\u00f6hnung hier sein d\u00fcrfen, sehr verehrte, liebe Frau Hose, und Dank f\u00fcr die guten Lehrer, denen wir unsere Kinder \u2013 das Kostbarste, was wir haben \u2013 bedenkenlos anvertrauen k\u00f6nnen. F\u00fcr dies alles ein sehr, sehr herzlicher Dank!<\/p>\n<p>Dr. Hermann A. Richter<\/p>\n<p>31.10.2012 in der Gelehrtenschule des Johanneums<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>C\u00e4sarisches vergessen, Ovidisches nicht \u2013 2042: Die R\u00f6mer sind da! &nbsp; Sehr verehrte Frau Hose, sehr geehrte Damen und Herren, wir w\u00fcrden uns nicht einigen k\u00f6nnen \u2013 egal, wie lang der Abend wird \u2013, wenn wir uns \u00fcber Sinn und Unsinn des Erlernens alter Sprachen austauschen wollten \u2013 zumindest, wenn wir die Argumente in eine &hellip; <a href=\"https:\/\/roemer.hamburg.de\/?p=646\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Prof. Dr. Hermann Richter zum 20 j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":218,"featured_media":257,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-646","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reden-20-jahre"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/218"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=646"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/646\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":651,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/646\/revisions\/651"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/roemer.hamburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}